Wer „schön“ sein muss, muss auch noch leiden
„Hansi“ und „Bubi“ könnten wunderbare Namen für einen Wellensittich sein, der – trotz seiner kleinen Größe – zur Familie der Eigentlichen Papageien gehört. Wenn man die beiden Wörter jedoch zu „Hansi-Bubi“ zusammenfügt, erhält man die Bezeichnung einer Wellensittich-Zuchtform, die dem wilden Singpapagei aus Australien am nächsten kommt und hierzulande bevorzugt von Vogelfreunden als Haustier gehalten wird. Neben dem Hansi-Bubi gibt es aber noch weitere Zuchten wie den Standard-/Schauwellensittich, der laut dem Deutschen Tierschutzbund als Qualzucht bezeichnet werden muss.
Arthrose, Augenprobleme und und und
Im Gegensatz zum Hansi-Bubi ist der Standardwellensittich deutlich größer und schwerer als sein zierlicher Verwandter. Nach Informationen des Deutschen Tierschutzbundes und www.sittiche.de führt dies dazu, dass er eher an Gelenkproblemen wie Arthrose leidet und zusätzlich fast, wenn nicht sogar komplett, flugunfähig ist. Darüber hinaus hat er ein buschiges, längeres Federkleid auf dem Kopf, gepaart mit einer vorgewölbten Stirn, was sein Sichtfeld stark einengt. Die Federn, die die Augen größtenteils überdecken, können zusätzlich zu Augenentzündungen führen.
Dieser kleine Papagei führt ein qualvolles, nicht artgerechtes und deutlich kürzeres Leben als der Hansi-Bubi (fünf bis sieben anstatt zehn bis 15 Jahre), das mit vielen Erkrankungen und Unfruchtbarkeit einhergeht. Und warum? Nur damit ein Großteil der Züchter ihn auf Vogelschauen – daher auch seine zweite Bezeichnung „Schauwellensittich“ – präsentieren kann, um Preise zu gewinnen.
Besonders tragisch wird es jedoch, wenn bei dieser Zuchtform die „Feather Duster“-Erkrankung auftritt. Dabei handelt es sich um einen Gendefekt, bei dem das Federwachstum nicht stoppt. Die betroffenen Sittiche verbrauchen dadurch nicht nur sehr viel Energie, sie können auch nicht fliegen, kaum sehen und haben Probleme bei einfachen Bewegungsabläufen. Um es auf den Punkt zu bringen: Sie sind kaum lebensfähig und sterben daher meist innerhalb der ersten zwölf Monate.
Das muss aufhören!
Das Leid des Standard-/Schauwellensittichs zeigt abermals, dass wir aufhören müssen, Tiere – egal ob Hund (z. B. Mops oder Dackel) Katze (z. B. Perser oder Scottish Fold), Kaninchen oder Vogel – auf unsere optischen Vorlieben zu züchten. Die betroffenen Schicksale führen ein stummes Leben voller Qual, das kein Tier auf dieser Welt verdient hat. Und jeder, der diese Tiere kauft, unterstützt dieses Leid.