Tollwutfall in Rheinland-Pfalz: Impfnachweis gefälscht?

Impfpass Hunde und Heimtierausweis
Symbolbild

Deutschland gilt seit vielen Jahren als tollwutfrei. Es ist jedoch ein Irrtum davon auszugehen, dass die Krankheit hierzulande nicht vereinzelt auftreten kann. Fakt ist: Die so genannte terrestrische Tollwut, bei der das Virus bei Wild- und Haustieren innerhalb des Landes weiterverbreitet wird, ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts seit 2008 erfolgreich eingedämmt.

Trügerische Sicherheit

Der Fall eines aus Russland importierten Welpen zeigt jedoch, wie leicht und schnell die Tollwut wieder nach Deutschland gelangen kann. Ende Januar war das Tier gemeinsam mit anderen Hunden und Katzen in die Europäische Union transportiert worden. Der Welpe war für einen Besitzer in Rheinland-Pfalz bestimmt. In der Quarantäne zeigte er nach kurzer Zeit Verhaltensauffälligkeiten und verstarb bald; im Labor wurde anschließend Tollwut als Ursache nachgewiesen. Auch für den Besitzer hätte z. B. ein Biss durch den Hund zur Tollwutinfektion führen können.

Ein Bericht der Weltorganisation für Tiergesundheit (WAHIS) zeigt, dass der Hund offenbar illegal in die EU gebracht worden war. Laut Papieren war der Hund gechipt, geimpft und alt genug für den Transport; laut Impfpass war er auch zweifelsfrei gegen Tollwut geimpft. Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass die Angaben wohl gefälscht waren. So war das Tier nicht nur deutlich jünger als angegeben sondern eben nicht vorschriftsgemäß geimpft. Die Tollwut-Impfung war demnach entweder nicht wirksam oder der Impfeintrag wurde manipuliert.

Der WAHIS zufolge ist bei jungen Hunden der Zeitpunkt der Impfung entscheidend. Die Impfung gegen Tollwut ist erst ab einem bestimmten Alter wirksam; ist der Welpe zu jung oder wird früher transportiert als erlaubt, ist sie unter Umständen nicht nur rechtlich sondern vor allem medizinisch unwirksam – und der Impfpass damit nicht korrekt.

Augen auf beim Auslandstierschutz

In einer aktuellen Pressemitteilung rät die Bundestierärztekammer (BTK) deshalb dringend zu Aufmerksamkeit und Vorsicht bei der Aufnahme von Hunden aus dem Ausland, da die Erkrankung in vielen Regionen der Welt weiterhin ein ernstzunehmendes Problem sei. Die Gesundheitsnachweise der Tiere müssten immer gründlich geprüft werden. Dr. Holger Vogel, BTK-Präsident Ltd. VD: „Der aktuelle Fall zeigt eindrücklich, dass Tollwut jederzeit wieder nach Deutschland eingeschleppt werden kann. Gerade bei Hunden aus Ländern mit endemischem Tollwutvorkommen besteht ein reales Risiko – insbesondere dann, wenn Impfdokumente nicht verlässlich sind.“

Während im europäischen Reiseverkehr die Tollwutimpfung für Hunde, Katzen und Frettchen verpflichtend ist und im EU-Heimtierausweis dokumentiert wird, ist dies in anderen Ländern nicht der Fall. Nach wie vor sollte man sich aber darüber im Klaren sein: Wenn ein Tier – egal aus welchem Land - nicht über einen hundertprozentig nachvollziehbaren Impfschutz verfügt, muss es in eine 30-tägige Quarantäne, die meist im lokalen Tierheim erfolgt. Diese schlägt mit 20 bis 30 Euro pro Tag zu Buche, hinzu kommen die Kosten für die tierärztliche Untersuchung, das Labor, die Impfung und das eventuell anfallende Bußgeld.

Alles in allem kommt ein vierstelliger Betrag zusammen, der dem neuen Besitzer des Tieres in Rechnung gestellt wird. Und: Tiere ohne ausreichenden Impfschutz müssen bereits beim leisesten Verdacht einer Tollwut-Ansteckung getötet werden. Sobald die ersten klinischen Symptome auftreten, verläuft die Krankheit immer tödlich – bei Tier und Mensch.

Information, Seriosität und Transparenz

Wer ein Tier in Not aufnehmen möchte, sollte sich ohnehin die Frage stellen, ob er nicht auch in einem deutschen Tierheim fündig würde. Praktisch alle Tierheime sind – spätestens seit Corona – rappelvoll. Nicht wenige tierische Kandidaten müssen für eine sehr lange Zeit, wenn nicht sogar für immer, dort bleiben, weil für sie kein Zuhause gefunden werden kann. Dies sind vielleicht nicht die Rassewelpen mit dem gewünschten Muster sondern erwachsene Hunde oder Katzen, die schon eine Geschichte haben. Auch sie haben eine Chance auf Vermittlung verdient. Im Gegenzug sind im Hinblick auf den Tollwut-Impfstatus bei einer Adoption in einem deutschen Tierheim keine bösen Überraschungen zu erwarten.

Quelle: Bundestierärztekammer e.V.

Zurück