Jagd auf Wildtiere: Wirkungslos und kostspielig

Jäger

Jedes Jahr töten Jäger in Deutschland massenhaft Wildtiere, darunter rund 450.000 Füchse, mehr als 70.000 Marder und mehrere Hunderttausend Rabenvögel. Die Zahlen in Frankreich sind ähnlich hoch. Für Wissenschaftler der Pariser Universität Sorbonne war dies der Anlass, die Daten von sieben Jahren aus ganz Frankreich auszuwerten. Mit aufschlussreichem Ergebnis: Bei den meisten Tierarten wurden die Populationszahlen durch die Jagd längerfristig nicht verringert. Auch die gemeldeten Wildtierschäden – u. a. Ernteausfälle oder gerissenes Geflügel – gingen nicht zurück. Hier kam es sogar zu mehr Schäden, je mehr Tiere einer Art getötet wurden. Wurde hingegen in einer Region die Jagd gestoppt oder reduziert, führte dies nicht zu einer Zunahme der Schäden.

Geld sinnlos verschwendet

Die Kosten für die Jagd auf Fuchs und Co. waren immens. Zeit, Transport, Material und Munition verschlangen jährlich schätzungsweise mehr als hundert Millionen – Schäden wurden nur mit acht bis 23 Millionen Euro beziffert. Damit ist die massenhafte Jagd auf heimische Wildtiere nicht nur sehr kostspielig, sondern sowohl als Mittel zur Bestandsregulierung als auch zur Vermeidung von Schäden wirkungslos und ökonomisch ineffizient. Die Tötungen scheinen vielmehr in Öko-Prozesse einzugreifen. Denn Rabenvögel verbreiten Samen und Früchte; der Eichelhäher versteckt z. B. im Herbst Eicheln und sorgt so für tausende neue Eichen. Füchse und Marder halten die Mäusepopulationen in Schach.

Wildtiermanagement muss tierschutzgerecht werden

Der Deutsche Tierschutzbund e.V. ruft in diesem Zusammenhang zu einem Umdenken im Umgang mit Wildtieren auf. Statt pauschaler Bejagung brauche es ein umfassendes evidenzbasiertes Wildtiermanagement unter Einbezug ökologischer, finanzieller und ethischer Aspekte, das auf Prävention und Vergrämung setze. Die Studie bewertet er als wegweisende Analyse, die den Argumenten der Jäger auch hierzulande jegliche Grundlage entzieht.

„Wer Tier- und Naturschutz ernst meint, muss bei diesen Ergebnissen aufhorchen. Statt weiter Geld für veraltete Jagdtraditionen und das Vergnügen einer kleinen gesellschaftlichen Gruppe zu verschwenden, brauchen wir endlich einen tierschutzgerechten Umgang mit Wildtieren, der den komplexen Vorgängen in Ökosystemen angemessen ist”, kommentiert James Brückner, Leiter des Fachreferats für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Jäger rechtfertigen ihre Jagd auf bestimmte Wildtiere mit Gesundheitsrisiken sowie wirtschaftlichen oder gar ökologischen Schäden, die diese anrichten würden. Viele Studien und Beispiele zeigten jedoch bereits in der Vergangenheit, wie leer diese Argumente sind. Keine lieferte aber bislang so umfassende Erkenntnisse wie die neue französische Studie.

Den Link zu der Studie finden Sie hier.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

Zurück